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Die Kleuker-Orgel von 1971/72 in der Gustav-Adolf-Kirche zu Charlottenburg
von Carl Haenisch
Der westfälische Orgelbauer Detlef Kleuker, dessen Firma in Brackwede inzwischen erloschen ist, hat mit der dreimanualigen Orgel der Gustav-Adolf-Kirche ein Instrument im neobarocken Stil gebaut, das 41 klingende Register und neben den üblichen Spielhilfen, den Manual- und Pedal-Koppeln und den Tremulanten auch vier Setzer-Kombinationen hat, die die Registrierung von Orgelwerken durch den Organisten vorzuwählen gestattet.
Wie jede gut gepflegte Orgel ist diese Kleuker-Orgel auf Beschluss des Gemeindekirchenrates im Jahre 1993, also nach etwas mehr als 20 Jahren seit ihrer Erbauung, gründlich gewartet, überholt, vollkommen gereinigt und bezüglich ihrer schadhaften Teile repariert worden. Zusätzlich wurde damals eine umfangreiche Neu-Intonation vorgenommen, die die ursprüngliche Konzeption des Instruments verließ, kammermusikalisch die Werke Bachs und Musik des 20. Jahrhunderts (z.B. Messiaen, Distler, Reda, Bornefeld) musizieren zu können. Der Zeitgeschmack wandte sich wieder verstärkt auch der Orgelliteratur des 19. Jahrhunderts und der Musik der Französischen Orgelromantik (z.B. Franck, Widor, Boëllmann, Guillmant) zu, die von kräftigen Klängen mit viel charakteristischen Zungenregistern lebten, wie sie die französischen Orgeln Cavallé Colls bieten.
So entstand 1993 durch diese Neuintonation bei absolut gleicher Registerbezeichnung und beibehaltenem Pfeifenmaterial allein durch Erhöhung des Winddruckes (bis zum Doppelten des von Kleuker gewählten!), durch Veränderung der Aufschnitte der Labialpfeifen und stärkere Öffnung der Resonatoren der Lingualpfeifen ein bemerkenswert kräftiges Klangbild, das besonders diejenigen in der Gemeinde verblüffte, die den subtilen, distinguierten Klang der Kleuker-Orgel bis dahin gewöhnt waren und lieb gewonnen hatten.
So nimmt es nicht wunder, dass bei der nunmehr nach weiteren 15 Jahren fälligen Wartung und notwendigen Reinigung der Orgel die Erwartung an den ausführenden Orgelbauer bestand, den Klang wieder etwas an das Original heranzuführen, dessen Klang aber auf Grund der bei der Neuintonation vorgenommenen Eingriffe an den Labien leider nicht authentisch wieder ganz hergestellt werden kann.
Im Zuge der im Dezember 2008 vollendeten Reparaturarbeiten durch die Firma Mitteldeutscher Orgelbau. A. Voigt GmbH, Bad Liebenwerda, wurde u.a. der Winddruck zum Teil wieder erheblich reduziert, das gesamte Pfeifenmaterial überarbeitet, jeder Ton eines jeden Registers neu intoniert und zur Verbesserung der Stimmbarkeit und Stimmhaltigkeit konstruktiv im Bereich der Stimmrollen bzw. -krücken sowie teilweise im Labialbereich berichtigt, ohne die vorhandene wertvolle Substanz zu verändern.
Das Ergebnis dieser Reparaturarbeiten legt die Gemeinde nun allen Zuhörern und Liebhabern des Orgelklangs vor mit der freundlichen Bitte um aufmerksames Hören und sensibles Wahrnehmen des Wesens dieser wunderbaren Orgel von Detlef Kleuker und der darauf musizierten Orgelstücke.
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